Chianciano, ein Heilbad, sehr reich an mineralischen Waessern von hochwirksamer Heilkraft, ist heute von bewaldeten Huegeln umgeben, die, in dem sie die Umwelt von Schadstoffen freihalten, den wirksamsten Schutz des oekologischen und hydrogeologischen Systems darstellen. Ringsherum fliesst naemlich der Oberlauf des Baches Astrone, eingebettet in grosse Laubwaelder, und gleich dahinter liegt das Orcia-Tal, wo man, neben der charakteristischen Landschaft, die so typisch fuer die Toskana ist, noch Reste von mittelalterlichen Bollwerken, Festungen und Burgen, Geschichts- und Kulturzeugnisse, bewundern kann. Dies ist die Landschaft, die, wie zum Schutz, die Heilquellen Chiancianos und der uebrigen Heilbaeder der Gegend umringt.
Etwa 550m ueber dem
Meeresspiegel gelegen, bietet der Ort Chianciano alle klimatischen und touristischen
Vorteile, die sich aus seiner gluecklichen geographischen Lage ergeben. Im Einklang mit
der umliegenden Landschaft, hat sich der Ort mit seinen zahlreichen Parks und Gaerten eine
betraechtliche Menge Gruenflaechen bewahrt. Die Kurhaeuser sind mit dem Ortskern durch
baumbestandene und von den Schaufenstern eleganter Geschaefte gesauemte Alleen verbunden.
Aber das ist noch nicht alles; es gibt noch ein anderes Chianciano, bis heute den Fremden
noch kaum bekannt: es ist das "Dorf" Chianciano oder, besser gesagt, der
historische Ortskern.
Man betritt ihn, weniger als 3 km von den Kureinrichtungen entfernt, zu Fuss durch das
antike Stadttor "Porta Rivellini" und findet gleich auf der linken Seite, nach
der kleinen "Misericordia"-Kirche, das imposante Bauwerk der Burg des Grafen
Manenti, waehrend den Hintergrunde der "Torre dell'Orologio", der Uhrenturm,
beherrscht; unter diesem hat man, von einer anderen Mauer aus, einen weitreichenden und
beeindruckenden Panoramablick auf den Monte Amiata, den Monte Cetona, den quadratischen
Turm der Burg von Sarteano und weit im Osten das etruskische Chiusi mit seinem See sowie
Città della Pieve.
GESCHICHTE
Vor vielen Millionen Jahren konnte man, dort wo Chianciano heute liegt, die blaue Weite
des Meeres bewundern, aus der nur zwei kleine Inseln herausragten: der Berggipfel von
Cetona und der Monte Amiata. Im Laufe der Jahthunderte begannen sich daraus, und das
scheint heute immer offensichtlicher, die Berge hervorzuheben, und letztendlich
gestalteten sich die Huegel; und gerade in dieser wilden Landschaft treten die ersten
Ansiedlungen des vorgeschichtlichen Menschen auf (in den Grotten von Belvedere und
Sarteano).
Aber die eigentliche Geschichte Chiancianos
beginnt bei den Etruskern, die sich in der heutigen Toskana und in Teilen des Latiums
niederliessen. Die Reste ihrer Graeber, ihrer Fresken, ihrer Schmuckstuecke, ihrer Waffen
und ihrer Geraetschaften erlaubten uns ziemlich genau ihre Kultur zu rekonstruieren. Unter
den wichtigsten Funden, die im Gebiet um Chianciano und Chiusi auftreten, lassen sich
folgende besonders hervorheben: das beruehmte Grabmal der "Mater Matuta", die
"Goettin der Mutterschaft", das Familiengrab der "Nachmi" und
ausserdem das etruskische Familiengrab der "Thlesnei". Diese Fundstuecke sind
noch heute einerseits im Stadtmuseum von Chiusi und andererseits im Museum von Chianciano
erhalten. Nach vier Jahrhunderten des Kampfes gelang es den Roemern letztendlich die
etruschische Bevoelkerung zu unterwerfen und mit der darauffolgenden Schlacht bei Vadimone
wurde das Ende der Kultur der Tusci in diesem Gebiet besiegelt. Gegen Ende des
9.Jahrhunderts wurde aus dem Herzogtum Chiusi eine Grafschaft, aus der, wie man sagt die
Grafen Rimbotti-Manenti stammen sollen, und es scheint, dass sie, soweit wenigstens nach
der orvietischen Chronik von Cipriano Manente, bis 976 im Schloss von Chianciano, das mit
einem Turm und einer Hochburg versehen und von einer Mauer und einem Graben mit Zugbruecke
umgeben war, gelebt haben. Nachdem die Grafen Manenti vetrieben worden waren, wurde die
freie Gemeinde Chianciano ausgerufen, und das Schloss, in dem diese vorher gewohnt hatten,
wurde zum Gemeindehaus umgewandelt. Dieses Gemeindehaus befindet sich an der Piazza dei
Balestrini. In den folgenden Jahrhunderten erlebte die Gemeinde Chianciano wechselvolle
und bewegte Ereignisse, waehrend es nach mehreren Allianzen mit Siena in den
Herrschaftsbereich der Florentiner ueberging und spaeter in den der Spanier. Und somit
wurde Chianciano um 1700 dem Machtbereich der Lorena, dem Grossherzogtum der Toskana,
unterworfen.
SEHENSWUERDIGKEITEN
Ein eindrucksvolles Bauwerk, das sich im historischen Ortskern befindet, ist die reich mit
Kunstwerken ausgestattete Collegiata des San Giovanni Battista; das Fest zu Ehren dieses
Heiligen wird an der Sommersonnenwende gefeiert; urspruenglich war es das Fest der Blumen
und Fruechte, an dem Freudenfeuer entzuendet wurden und an dem getanzt, getrunken und mit
Freude gesungen wurde. Die Collegiata ist in romanischen Stil gebaut mit einem von
spiralfoermigen Sauelchen umgebenen Portal. Spaeter wurde ihr jedoch vom Architekten Luigi
da Vaegni ein neoklassischer Aspekt verliehen : Im Innern haben das Holzkreuz aus dem 13.
Jh. und die Orgel aus dem 15. Jh. , die dank einiger Kunstgriffe heute fuer Konzerte von
grossem Ansehen benutzt wird, eine besondere Bedeutung.
Die Kirche der Madonna della Rosa ist das schönste Gotteshaus unseres Staedtchens. Die
Entstehung dieser Kirche wird der Initiative der Bauern, die sich von den Dorfbewohnern in
der Collegiata wenig akzeptiert fuehlten, zugeschrieben. Sie hatten sich dazu entschlossen
eine Kirche zu erbauen, die jegliche Vergleiche uebertreffen sollte. Der Bau wurde im
Jahre 1599 beendet. Um der Ergebenheit der Bauern, die mit ihren Spenden zum Bau des
Gotteshauses beigetragen hatten, zu gedenken, liessen die Verwaltungsbeamten an
verschiedenen Stellen einen Bauern schnitzen, der gerade im Begriff ist, das Land mit
Hilfe der vor den Pflug gespannten Ochsen zu bestellen. Die Kirche bekam den Namen
"Madonna della Rosa" wegen des Freskos, das sich im Zentrum des Hauptaltars
befindet und die Madonna darstellt, die dem Kind eine weisse Rose entgegenstreckt. Es ist
das Werk eines unbekannten Kuenstlers der sienesischen Schule (zwischen 1370 und 1400
entstanden). Zur Linken der Jungfrau steht San Giovanni Battista und zur Rechten San
Bartolomeo, der Schutzheilige von Chianciano.
Im neuen Teil Chiancianos befindet sich die im modernen Stil gehaltene Santa Maria della
Stella Kirche. Diese Bennenung geht auf ein erhaltenes Bild im Innern der Kirche zurueck,
das Maria mit einem Stern auf der Hand, auf der Stirn und auf den Schultern zeigt. Das
Jesuskind und San Giovanni vervollstaendigen das Bild. Seit 1969 finden in dieser Kirche
Gottesdienste statt.
Kehrt man wieder zum historischen Ortskern zurueck, befindet sich neben der Porta
Rivellini, eines der drei Stadttore, die Kirche dell'Immacolata oder della Morte, die
circa um 1200 entstanden ist. Diese kleine Kirche wurde 1958 restauriert. Man erzaehlt ,
dass die Sant'Antonio Kirche, die von niederen Franziskanern gefuehrt wird, von San
Francesco selbst wegen der Naturschoenheiten besucht wurde. Im Jahre 1933 wurde der erste
Stein gelegt, der die neue Sant'Antonio Kirche einweihte, die am Haupteingang eine
Vorhalle mit Sauelengang besitzt, die Padre Gerolamo Lelli und der Auftraggeber Paolo
Ingegnoli aus Mailand den Franziskanern schenkte. Ausser einigen modernen Bildern im
Innern wurde 1958 ein Kreuz angebracht, das genau Jesus am Kreuz nachbildet. Dieses Kreuz
wurde von Fra' Francesco aus Palermo im Jahre 1637 hergestellt. In den Kapellen gibt es
zahlreiche Altartafeln, die 1969 von der Mosaiksschule aus Montepulciano ausgefuehrt
wurden. Wichtig ist auch das wertvolle Robbiano Kunstwerk: die " Jungfrau in Anbetung
des Jesuskindes" mit dem himmlischen Vater und den Engeln, die in einem der Saele der
San Francesco Kirche untergebracht ist. Im Dorf gibt es zwei weitere kleine Kirchen, die
jedoch ihre damalige Bedeutung verloren haben. Die Kirche della Compagnia, aus dem Jahre
1500, die an Weihnachten die Krippe beherbergt, und die Kirche der Maertyrer Fabiano und
Sebastiano, deren letzterer als Schutzherr gegen die Pest angesehen wird. Sie befindet
sich an der Piazza Matteotti im Herzen des Dorfes. Dort werden jedoch seit 1784 keine
Gottesdienste mehr gefeiert. 1846 mit dem Abriss des alten Turms, der 1557 zu Zeiten
Cosimos I der Medici erbaut wurde , der ihm das Wappen seiner Familie tragen liess, wurde
auch geplant, einen Uhrturm ueber der Kirche San Sebastiano anzubringen. Danach jedoch
wurde entschieden, sie am gleichen Ort wieder anzubringen. Ausserdem gibt es auch
zahlreiche Kirchen der religioesen Orden. Dazu gehoeren die "Casa Immacolata",
die jeden aufnimmt, der Thermalkuren noetig hat, die Kirche von San Francesco bei dem
"Domus Pacis" , die 1070 nach dem Plan des Architekten Luchini von Siena erbaut
wurde und ausserdem die Kirche des Ordens "Regina Mundi" und die Kirche des
Ordens "Cottolengo".
Die Einwohner Chiancianos haben schon seit jeher der Madonna eine tiefe Verehrung
entgegengebracht. Das bewiesen die zahlreichen Kirchen und Kapellen , die ihr gewidmet
waren, aber jetzt nicht mehr existieren. Die Ueberlieferung kennt dabei etwa 27.
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