GESCHICHTE
Die Huegelstruktur, auf der Chiusi entsteht, besteht aus Tuffboden und Schotterschichten,
die von den Meeresfluktuationen entstanden. Was die Herkunft des Namens betrifft, leiten
einige aus dieser besonderen Lage -Chiusi ist wie eine Teilungslinie - her; Titus Livius
gab ihm den Namen "Camars", aber viele etruskische Inschriften des 7. Jhs. v.
Chr. beweisen das Wort "Clevsin". Im Jahre 89 v. Chr. wurde der Namen zum
"Clusium" romanisiert. Der Ursprung von Chiusi geht auf das 1. Millennium v.
Chr. zurueck, als das Gebiet von Hirten und Bauern bewohnt war. Die Fruchtbarkeit des
Bodens und ein natuerliches Verkehrsnetz sicherten ihm einen besonderen Wohlstand und es
wurde ein Zentrum der Villanovana Kultur. Aus dem primitiven, bescheidenen Villanova-Dorf
wurde ein wichtiger wirtschaftlicher Ort der etruskischen Kultur erst im 7. Jh. v.
Chr.
| Chiusi war eine der maechtigsten "Lucumonien" (Staaten), die unter ihrer Herrschaft Arezzo und Perugia hielt. Fuer lange Zeit wurde Rom auch vom "Lucumone" Porsena besetzt (5. Jhr. v. Chr.). Mit ihm erreicht die Stadt den Hoehepunkt seiner Macht. Titus Livius erwaehnt, dass der Name Porsena zu Synonym fuer Schrecken in der roemischen Ueberlieferung geworden war. Der grosse Herr von Chiusi war aber nur teilweise eine legendaere Figur. Die grandiose Beschreibung seines Grabes, die uns Plinius der Aelteren in seiner "Naturalis Historia" ueberliefert hat, gehoert ohne Zweifel der Legende. |
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Es handelte sich um ein unterirdisches von einem
Labyrinth geschuetztes Gebaeude, wo der Herr in einem Sarkophag lag, der aus einer
goldenen Kutsche mit zwoelf goldenen Pferden in Begleitung von einer Glucke mit ihren 5000
goldenen Kueken bestand. Alte und neue Ausgrabungen haben aber bis jetzt die Existenz
dieses Gebaeudes nicht bestaetigt. Der Reichtum der Stadt, wie die aus Hellas importierten
Kunstschaetze, die Herstellung der Buccherovasen, und anderer kostbaren Gegenstaende
beweisen, zog die Gallier 391 v. Chr. an, die die Stadt belagerten. Gegen Ende des 4.
Jhs., um seine Unabhaengigkeit verteidigen zu koennen, vereinigte sich Chiusi mit seinen
Alliierten gegen Rom, aber es erlitt im Kampf von Sentino eine grosse Niederlage und
musste sich, mit Arezzo und Perugia, auf die Provinz einschraenken. Im Jahre 90 v. Chr.
bekamen die Etrusker aus Chiusi die roemische Staatsangehoerigkeit. Einige Jahre spaeter
ergriff Silla Besitz von der Stadt mit dem Ziel, sie zur Militaersiedlung fuer seine
Veteranen zu machen. Im 2. Jh. n. Chr. war die Stadt ein wichtiger Verkehrs- und
Handelsort und hatte eine Anlegestelle auf dem Fluss Chiana in Richtung Paglia und zum
Tiber. Diese besondere Lage beguenstigte die Verbreitung des Christentums in diesem
Gebiet, wie die Katakomben und andere archeologische Reste bezeugen, und einige
Jahrhunderte spaeter zogen Goten mit Wittigo und Totila und Langobarden ein. Im 6.Jhr.
wurde
Chiusi von den Langobarden besetzt und zu einem der
wichtigsten toskanischen Herzogtuemern gemacht mit dem Zweck, eventuelle byzantinische
Angriffe abzuwehren. Als Karl der Grosse die Langobarden besiegt (776), und die Herzoege
durch Grafen ersetzt hatte, blieb die Herrschaft der Stadt bei der langobardischen Familie
Farolfi, die aber die Grafschaft in viele selbstaendige kleine Besitzugen teilten. Gegen
Ende des ersten Jahrtausends begann die Versumpfung des Chianatales, die allmaehlich die
Verarmung des Landes und den Handelsverfall verursachte. Es war die dunkelste Zeit fuer
die Stadt: die Bauten fielen zusammen, die Leute fluechteten vor dem Sumpffieder. Als
kleines Lehen sah die Stadt die Kaempfe zwischen dem Graf und dem Bischof, und spaeter dem
Papsttum und dem Kaiser, zwischen den Welfen von Orvieto und Ghibellinen von Siena. 1416
wurde Chiusi den Sienesern fuer 1800 Gulden verkauft. So blieb die Stadt mit dem Schicksal
von Siena verbunden und endlich 1559 folgte der Anschluss an das Grossherzogtum Toskana.
Nach der Trockenlegung des Chianatales (19. Jh.), die das Gebiet vom Sumpf und Malaria
befreite, wurde die Stadt wieder ein wichtiger Knotenpunkt Mittelitaliens. Ein neues Leben
begann, als 1860 die Eisenbahnlinie Empoli-Siena Chiusi erreichte und 1862 der Bahnhof
eroeffnet wurde. 1863 konnte man Rom und auch 1873 Florenz erreichen. Seit dieser Zeit
begann die Entwicklung fuer Handel und Handwerk. In den 60er Jahren bekam es ein
Autobahnanschluss.
SEHENSWUERDIGKEITEN
Der Dom d. h. die Kathedrale San Secondiano ist im 12. Jh. auf einer primitiven
christlichen Kirchen (6. Jh.) gebaut. Besonderes Interesse liegt an den 18 Saeulen,
welchen von antiken Bauten gerettet wurden und die Kirche in drei Schiffe teilen. Das
Mosaik der Hauptschiffes und der Apsis sind im letzen Jahrhundert gemalt worden. Unter dem
Altar liegt der Koerper der Schutzheiligen Mustiola.
Der Glockenturm (12. Jh.) wurde als Verteidigungsturm errichtet. Die spaetere Glockenstube
wurde dagegen 1585 auf Auftrag vom Bischof Masseo Bardi gebaut. Von der Turmspitze (27 m
hoch ) geniesst man ein schoenes Panorama.
Das Museo della Cattedrale ist
seit
kurzer Zeit eroeffnet, ist besonders interessant wegen der Sammlung der Chorhandschriften
aus dem 14. Jh., welche mit Miniaturen von wichtigen Kuenstlern wie Sano von Pietro und
Liberale aus Verona geschmueckt sind.
Das Museo Archeologico Nazionale: man findet dort viele Sammlungen von der Villanova, aus
etruskischen, roemischen und langobarbischen Zeit. Die Kanopen und die Buccheri-Sammlung,
die eine typische clusinische Erzeugnissen waren, ist sehr interessant. Es gibt auch
korinthische und attische Gefaesse, etruskische Sarkophage, Aschenurnen und Sphinxen aus
"pietra fetida" (uebelriechender Stein).
Etruskische Graeber In der Naehe der Stadt gibt es viele Graeber, einige sind noch
unbekannt.
In einigen Faellen sind die Waende bemalt, wie im Grab des
Loewen, der Affen, des Huegels ( 5 Jh.v. Chr). Die Graeber des 3. Jhs. haben dagegen lange
Korridore, die den Zutritt zu anderen Grabkammern ermoeglichen, wo mehrere Graeber mit
Urnen aus Travertingestein und Alabaster lagen (Grab der Pilgerin).
Katakomben von der Hl. Mustiola u. der Hl. Katharina. Die beiden Katakomben, die einzigen
in der Toskana, sind entstanden mit dem Beginn des 3. Jhs und wurden zufällig im 17. Jh.
und 19. Jh. wiedergefunden. Sie bestehen aus einem Labyrinth, in dessen Gaenge man
zahlreiche Inschriften und Zeichen sehen kann. In der ersten wurde die Hl. Mustiola
bestattet. Die zweite bekommt ihren Namen vom Huegel, wo sie sich befindet. Beide waren
urspruenglich etruskische Graeber, die den Christen von den Besitzern, die wahrscheinlich
Christen geworden wurden, gegeben wurden.
Tuerme"Beccati questo" und "Beccati quello". Es handelt sich um 2
schoene Tuerme, die an der Grenze zwischen Toskana und Umbrien liegen. Der erste ist der
toskanische und wurde in seiner achteckigen Struktur von den Sienesern erbaut (1426). Sein
Zweek war die Grenze zu bewachen und Zoll einzuziehen. Demselben Zweck bediente der andere
Turm , der Peruginern gehoerte. Die eigenartige Namen der beiden Tuerme erinnern an die
alten Rivalitaeten der Bewohner dieses Gebietes.
Etruskische- roemische Tunnel unterhalb der Stadt befindet sich ein Labyrinth von Tunnel,
die von verschiedenen Punkten der Stadt zu erreichen sind. Unter dem Glockenturm liegt
z.B. ein grosser im 1.Jh. v. Chr. erbauter Wasserspeicher. Die anderen unterirdischen
Gaenge, die heute teilweise zugaenglich sind, dienten zur Draenage emd Wasserversorgung
und waren bestimmt in etruskischer Zeit in Betrieb.
KULTURELLE VERANSTALTUNGEN
Im Maerz /April findet der nationaler Schulwettbewerb fuer Theater, Poesie, Malerei und
Musik fuer die Schueler von 11 bis 14 Jahren, d. h. "Ragazzi in gamba" statt. Am
3. Juli feiert man die Heilige Mustiola, die Schutzpatronin der Stadt. Es gibt den
"Palio delle Torri", Musikauffuehrungen, religioese Veranstaltungen.
Am 8. September findet der Spiel "Ruzzi della conca" in Chiusi Stazione statt.
Es handelt sich hier um ein Wettkamp der fuenf Stadtteile. Mit Turnieren Palla al
bracciale, einheimische Art des Tennisspiels, bis Anfangs des Jahrhunderts ausgeuebt.
In der letzten September Woche gibt es die Sagra dell'uva e del vino (Fest des Traubens
und des Weins) In den Tavernen besteht die Moeglichkeit, Wein und kulinarische
Spezialitaeten des Landes , wie z. B. "Pici" und Seefischgerichte, zu kosten.
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