PIANCASTAGNAIO


GESCHICHTE

Piancastagnaio, das kleine Dorf am Fuß des Monte Amiata hat mit der alten Stadtmauer, dem massiven Glockenturm, der mächtigen Befestigungsanlage und einem schlichten Stadtpalast den Charakter seiner mittelalterlichen Stadtstruktur bewahrt. Der Ort Piancastagnaio verschanzt sich auf einer felsigen Anhöhe, wo einst die Mönche der Abtei S. Salvatore auf ihrem Weg zur ihrer ersten Klosteransiedlung im Amiatagebiet den Paß überquerten. Die Gründung der Benediktinerabtei hatte eine Veränderung des Gebietes in sozialer Hinsicht zur Folge. Viele Leute siedelten sich wieder in den unbewohnten Berggebieten an, machten den Boden urbar und gründeten neue Dörfer. Piancastagnaio entwickelte sich zu einem der bedeutendesten Marktflecken dieser Gegend. Urkunden belegen, daß Piancastagnaio am Ende des 12. Jhs. eine befestigte Burganlage darstellte und zum langjährigen Streitapfel der Abtei S. Salvatore, der Grafen von Aldobrandeschi, der Gemeinde Orvieto und den Senesern wurde. Die Stadtentwicklung war eng mit den Grenzstreitigkeiten zwischen dem Papststaat und den Kaisertreuen verbunden. Mit dem Machtverlust der Grafen Aldobrandeschi am Ende des 12. Jhs. ging der Ort in den Besitz der Gemeinde Orvieto über. Nach einer kurzen Periode der Unterwerfung durch die Grafen von Pitigliano, fiel der Ort 1415 endgültig unter den Herrschaftsbereich der Republik Siena und wurde so Bestandteil des Herzogtums von Cosimo dei Medici (1559). Piancastagnaio wurde 1601 ein Lehnsgut des Marchesen Giovanni Battista Bourbon del Monte, einem berühmten Söldnerführer.

Der Name des Ortes "Piancastagnaio", geht auf die beeindruckenden Kastanienbäume zurück, die noch immer, obgleich zum größten Teil der jüngsten Stadtentwicklung zum Opfer gefallen, in den Gartenanlagen zwischen den modernen Wohnhäusern zu finden sind. Ein anderes "natürliches Phänomen" des Gemeindegebiets ist der "Pigelleto", eine Weißtanne, die von dem natürlichen Habitat des Amiatagebiets der vorgeschichtlichen Zeit Zeugnis ablegt.

DENKMÄlER

Die ursprüngliche Wohnansiedlung, die sich in die 4 Stadtteile "Castello", "Borgo", Voltaia" und "Coro" unterteilt, entwickelte sich um die Festungsanlage, die von den Grafen Aldobrandeschi im 12. Jh. errichtet wurde. Diese Burg ist aus dem lokalen Trachytgestein gebaut und umschließt einen hohen Turm, der von Stützpfeilern umgeben ist, einen kleineren Turm und einen Innenhof. Die Burg befindet sich bis heute in einem guten statischen Zustand und wurde in den 60er Jahren restauriert, wobei ein Teil der Zinnen wieder aufgebaut wurde.
Im historischen Zentrum lohnt sich die Besichtigung der Taufkirche der Heiligen Maria Assunta im romanischen Stil aus dem 11. Jh. Im Inneren der Kirche befinden sich zwei Altäre aus dem 16. Jh., eine sechseckige Kanzel aus dem beginnenden 17. Jh., ein Holzaltar sowie ein Pfeiler mit Weihwasserbecken aus dem Ende des 15. Jhs.
Auch der im gotischen Stil erhaltene Platz vor dem Rathaus mit der Gerechtigkeitsstaute und dem Symbol der Seneser Republik ist bemerkenswert.
Von historischer Bedeutung ist der "Palazzo Bourbon del Monte", den die gleichnamige Familie am Anfang des 17. Jhs. errichten ließ. Der barocke Charakter des Gebäudes ist sehr ungewöhnlich für das Amiatagebiet. Im Moment ist der "Palast" wegen Renovierungsarbeiten ungenutzt. Die dort lebenden Familien wurden wegen Unbewohnbarkeit umquartiert.
Am Rand des historischen Zentrums befindet sich ein Franziskanerkloster, das auf Anregung des Bischofs von Siena gegründet wurde. Die Kirche ist in romanischem Stil mit einer an der Außenwand angebauten Loggia errichtet und beherbergt Fresken der "Seneser Schule" aus dem 14. Jh.. Erst kürzlich entdeckte Fresken werden einem Künstler aus dem Umfeld des Vecchietta, einem Schüler des Sassetta, der um 1400 als Maler und Bildhauer tätig war, zugeschrieben. Dieser stellte auf eigene Faust in der Folgezeit einige Nachforschungen an, wobei er sich auf die Erfahrungen der Renaissance bezog.
Außerhalb der Stadmauer befindet sich die Kirche Santa Maria delle Grazie mit einer Reihe von Fresken, die das Leben von Heiligen darstellen. Von Nanni di Pietro (1432 - 1479) stammt die Madonna im Mittelpunkt der Kirche.
Im höher gelegenen Ortsteil kann man die im romanischen Stil erbaute Kirche Madonna di S. Pietro besichtigen; es handelt sich um die älteste Kirche des Ortes; sie stammt aus der Zeit der Jahrtausendwende (998). Sie besteht aus einem einzigen Kirchenschiff mit einem hervorstehenden Querschiff und einer viereckigen Apsis mit Tonnengewölbe. Das Kircheninnere ist mit Fresken und Ölgemälden von Francesco Nasini dekoriert, auf denen Szenen aus dem Leben von Heiligen, von Christus sowie das Jüngste Gericht dargestellt sind.


Kulturelle Veranstaltungen

Am 18. August findet in Piancastagnaio der Wettkampf des Palio, auch Bravio genannt, statt. Diese antike Tradition des Palio findet in Siena ihren bedeutendsten Ausdruck, wird aber auch in den kleinen Orten wie Piancastagnaio gefeiert. Am Tag des Wettkampfs findet ein Fest zu Ehren der Madonna von S. Pietro statt; die gesamte Bevölkerung nimmt daran teil und die Spannung im Ort steigt. Der Ort ist in vier Ortsteile unterteilt, die sich durch unterschiedliche Embleme und Farbkombinationen auszeichnen.
Il Castello (grün und rot), dasWappen: eine Burg
Il Coro (rot und schwarz), das Wappen: ein Adler
Voltaia (weiß und schwarz), das Wappen: eine Eiche
Il Borgo (gelb und blau), das Wappen: ein Pferd
Zu Beginn des Mittelalters wurden die Wettkämpfe innerhalb der Befestigungsanlagen ausgetragen, mit dem Entstehen der Dorfgemeinschaften jedoch wurden die Wettspiele von den einzelnen Stadtteilen oder verschiedenen Handwerksgenossenschaften organisiert. Ursprünglich kam in Piancastagnaio die Rivalität der Stadtteile nur bei einem alljählichen Fest im Mai zum Ausbruch: die jungen Männer der Stadt trugen den schönsten Tannenbaum des Waldes auf den Schultern zum Dorfplatz, wo dieser aufgestellt wurde. Dort trugen sie poetische Streitgespräche aus, die von Liebesgeschichten und sozialen Themen handelten. Diese Aufführungen fanden in einer fröhlichen Tanzveranstaltung unter dem Tannenbaum, Symbol der Freiheit, ihren Abschluß. Verantwortlich für die verschiedenen Dorffeste sind drei von der Gemeindeverwaltung gewählte Abgeordnete mit besonderem Organisationstalent, "Signori della Festa" genannt. Der Pferdewettkampf nennt sich Palio (Bezeichnung für ein festliches Tuch), weil dem Gewinner ein kostbares Seidentuch überreicht wird, auf dem die Muttergottes oder Heilige abgebildet sind. Während das Wettrennen früher zwischen Burghof und Konvent stattfand, wird es heute auf dem Sportplatz ausgetragen. Der Palio (das Tuch) wird auch heute noch im einem Festumzug mit Musikkapelle durch den Ort geführt, gefolgt von einem Festzug in Renaissancekostümen (15. Jh.). Die Tradition des Palios in unserem Ort geht auf das Jahr 1954 zurück, wurde später für einige Jahre ausgesetzt und seit 1979 ununterbrochen weitergeführt. In den Tagen vor dem Palio schmückt jeder Stadtteil seine Straßen in den typischen Farben. Einen Tag vor dem 17. August findet ein Proberennen, "Provaccia" genannt, statt, bei dem je nach Erolg der Pferde die Aufstellungsordnung der einzelnen Stadtteile für das endgültige Rennen festgelegt wird.
In den ersten Novembertagen findet in Piancastagnaio das charakteristische Kastanienfest, "Festa del Crastatone" statt. Das Fest, das den Röstkastanien gewidmet ist, erstreckt sich über das gesamte historische Zentrum und der Ort, farbenfroh geschmückt und voller Wohlgerüche, spiegelt eine fröhliche Stimmung wider. Auch hier fällt den Stadtteilen die Aufgabe zu, den Ort zu schmücken und die Verkaufsstände mit den ortstypischen Produkten auszurichten. Am Abend finden Konzerte, Cabaret, Tanzwettkämpfe etc. statt. Natürlich wird auch der gute Wein verkostet, den man zu den typischen Anisplätzchen, Mandelkeksen oder Mürbeteigkuchen trinkt und der von den örtlichen Winzern angeboten wird.

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