SINALUNGA

GESCHICHTE

8. - 6. Jh. v. Ch. bis in diese Zeit reichen die ersten etruskischen Ansiedlungen auf dem Gemeindegebiet zurueck, wie die zahlreichen Funde z. B. im Ortsteil "le Carceri", bei der Villa S. Giustino und in den Ortsteilen "La Palazzetta" und "Aducello" oder einige Graeber in Form runder Brunnen, die wahrscheinlich zu den allerersten Siedlungen dieser Gegend zaehlten, belegen. Im Ortsteil "Poggi gialli" (2. -1. Jh. v. Ch.) roemische Ansiedlungen auf dem Gebiet der heutigen Unterstadt wurden bei Ausgrabungen am Ende des letzten Jahrhunderts z. B. eine Herkules Figur sowie Muenzen , Rohre, Mauer- und Fussbodensreste gefinden. Aus dem 3. Jh. v. Ch. stammen dagegen die Grabsteine von Caio Umbricio und Piramide Umbricia. Laut Ueberlieferung starb im Jahre 362 der Heilige Donato, Bischof von Arezzo, und Gruender des Heiligen Petrus ad Mensulas, wo noch heute die o. g. Grabsteine aufbewahrt werden. Auf das 4. bis 5. Jh. n. Ch. datieren einige Historiker die ersten Ansiedlungen auf dem Huegel oberhalb der Pfarrei von S. Pietro ad Mensulas, die dann zum Bau der Burg "delle Ripe" fuehrten, das spaeter zu uns jedoch unbekannter Zeit zerstoert wurde. Nach Agrolucci existierte seit dem Jahr 785 im alten Dorf Sinalunga ein Ort, der "Rednerhaus" genannt wurde; das Gebaeude wurde spaeter zur Kirche umgebaut. Heute dient die Kirche als Auditorium fuer das Philarmonieorchester "C. Pinsuti".sinalunga.jpg (42306 byte)
1177 nimmt die Familie der Cacciaconti, die bereits ueber die Burgen von Sinalunga, Ripa und Poggiolo herrschte, auch die von Scrofiano und Farnetella in Besitz; am 18. Februar 1197 unterwerfen sich die Cacciaconti Siena. In den Jahren 1208 und 1271 schleifen die Sieneser die Burgen von Riomagno und Farnetella im Verlauf der Kaempfe mit den Florentinern. 1284 wird in Sinalunga die Bruderschaft der Madonna delle Nevi gegruendet, die die Aufgabe hat, den Kranken beizustehen, und im Jahr 1303, nach langen Gefechten und Streitigkeiten mit den Cacciaconti, erklaeren sich die Sinalungeser , unterstuetzt von Siena, zur freien Gemeinde.1313 wird Sinalunga, das von den Gibellinen besetzt ist, von den Sienesern belagert, erobert und seine Mauern werden geschleift. 1337 teilt Siena sein Territorium in elf Vikarsbezirke auf, von denen einer Sinalunga ist. Die aeltesten Statuten dieser Gemeinde stammen aus dem Jahr 1443. 1468 entzieht Siena Sinalunga den Vikarssitz und ersetzt ihn durch einen Buergermeister. 1557 gehoerten Sinalunga und seine Umgebung wahrscheinlich schon zum Herrschaftsgebiet der Medici und 1558 wurde Sinalunga, als Teil des Grossherzogtums Toskana, Sitz einer Gerichtsbarkeit, deren Geltungsbereich sich auch auf Bettolle , Farnetella, Riomagno, Scrofiano, Poggio S.Cecilia, Serre di Rapolano und Armaiolo erstreckte. Im gleichen Jahr legt der Bischof von Pienza und Chiusi den Grundstein zum Bau der Collegiata Kirche an der Stelle, an der ehemals die Festung gestanden hatte. 1718 beschaeftigt sich der letzte Medici, Gian Gastone, mit dem Problem der Versumpfung des Chianatals und trifft Massnahmen zur Trockenlegung im Gebiet zwischen Bettolle und dem See von Chiusi und die Lorena bringen
die Urbarmachung des Tals zum Abschluss; in der Folge wurde das Gebiet durch die Gruendung grosser Bauernhoefe voellig neu strukturiert und es entstanden die charakteristischen Bauernhaeuser mit quadratischem oder rechteckigem Grundriss, meist auf zwei Etagen mit einer Loggia und einem Taubenschlag auf dem Dach. 1778 werden die Kleingemeinden Bettolle , Farnetella, Riomagno und Scrofiano von der gemeinde Sinalunga annektiert. 1796 gibt die
"Accademia degli Smantellati" den Anstoss zum Bau eines Theaters Ciro Pinsuti gewidmet, einem Sinalungeser Musiker. 1867 wird Sinalunga die Ehre zuteile in der Nationalchronik zu erscheinen. Am 24. September wird
Garibaldi, wieder einmal mit der Befreiung von Rom beschaeftigt, im Hause der Familie Agnolucci von den koeniglichen Soldaten festgenommen.
Die Gemeinde hat heute eine mehrteilige Stuktur, die sich aus dem aeltesten Ortsteil auf dem Huegel und der Unterstadt an dessen Fusse zusammensetzt, in der sich die Pfarrkirche S. Pietro in Mensulas am Rande der Ebene des Foenna befindet. Der Ortskern besteht aus einem alten Zentrum, das sich um die ehemalige Festung herum gebildet hatte, von der man heute nichts mehr sieht, da sie abgerissen worden war, um der Kollegiatskirche Platz zu machen. Man kann immer noch die beiden Hauptsachen erkennen, um die Struktur des Ortes zu bestimmen: eine Laengsachse, in Ost- und West- Richtung, zwischen den beiden wichtigsten alten Kirchen S. Martino ( die spaeter, als die Kollegiatskirche dem Stadtpatron geweiht wurde, den Namen S. Croce bekam ) und S. Lucia : die zweite Achse verlaeuft quer zur ersten; am Schnittpunkt der Achsen stand und steht der Palast des Amtrichters, der, zusammen mit dem davorliegenden Platz, den Kern des antiken "castrum" bildet, sowie, hinter der Kirche S. Lucia, ein Stadttor, das nicht mehr existiert, das "ad Mensulas" hiess und den Abstieg in die Ebene und zur isoliert liegenden Pfarrkirche freigab.

DENKMAELER

Die Pfarrkirche S. Pietro ad Mensulas wird laut Ueberlieferung zu den sieben vom Bischof Donato von Arezzo im 4. Jh.gegruendeten Kirchen gezaehlt.Von einigen Seiten wurde angenommen, dass sie ueber einem bereits vorhandenen roemischen Gebaeude errichtet worden sei; als Belege fuehrte man die Inschriften, die Grabsteine und viele andere archaeologischen Funde an, die an besagtem Ort gefunden worden waren, aber leider im Laufe der Zeit zum grossen Teil verlorengegangen sind. Heute ist die Kirche ein romanisches Gebaeude mit drei Schiffen, die durch auf robusten quadratischen Pfeilern ruhende Boegen getrennt werden; sie ist im grossen und ganzen noch in ihrer urspruenglichen Struktur erhalten, trotz haufiger Restaurieungsarbeiten (die Fassade ist z. B. im letzten Jh. einen grossen Eingriff unterzogen worden). Das Innere praesentiert sich nuechtern und harmonisch; dort sind zwei Grabsteine erhalten: der eine Caio Umbrico gewidmet und der andere Piramide Umbrica ( Mitglieder einer roemischen Familie, die in dieser Gegend Besitztuemer haben musste), sie sind an der Rueckwand, links und rechts vom Portal, angebracht. Es gibt noch weitere Inschriften, wie z. B. Nomen di Sana, die sehr interessant ist, weil sie sehr alt ist, gut sichtbar auf dem 2. Bogen von links zum Mittelschiff hin, und die als "dem heiligen Namen Gottes, Anfang und Ende" interpretiert worden ist. Im hinteren Teil des linken Seitenschiffs befindet sich ein Fresko, das von der Ueberlieferung der Schule von Guido Cozzarelli zugeschrieben wird und das erst kuerzlich restauriet wurde. Unter den uebrigen Gemaelden wird eine Verkuendigung erwaehnt, die auf mehrere Leinwaende gemalt ist und sich in der Absis befindet Aus den Memoiren Agnoluccis geht hervor, dass der Bau der Kollegiatskirche des Hlg. Martin von einem " allgemeinen Rat mit einem Mann pro Haus " beschlossen wurde, der im Jahr 1587 abgehalten worden war; der Bau ging mit der Zustimmung des Grossherzogs Ferdinand I, rasch voran und am 25. Maerz 1595 wurde die erste Messe in der Kirche gefeiert. Das Gebaeude ist aus Terrakotta und von der zerstoerten Burg stammenden Baumaterialien errichtet, in Form eines lateinischen Kreuzes und einschiffig; es ueberragt den davorliegenden Platz und gegen Mitte des 18. Jh.s. wurde sie durch eine achteckige Kuppel erweitert .Im Inneren sind viele wertvolle Werke erkhalten, von denen einige zur alten Kirche des Hlg. Martin gehoerten, die spaeter S. Croce wurde. An der Rueckwand rechts vom Eingangsportal befindet sich ein Oelgemaelde, das die Madonna mit Kind zwischen der Heiligen Katharina von Siena und dem Heiligen Franziskus von Assisi zeigt; es wird auf die erste Haelfte des 16. Jhs. datiert und der Schule Sodomas zugeschrieben. Ueber dem zweitem Seitenaltar links haengt ein grosses Oelgemaelde von Rutilio Manetti, das die Hochzeit der Jungfrau darstellt. Das Werk ist mit Rutilius Manettus 1615 signiert. Ueber dem dritten Seitenaltar rechts im Laengsschiff haengt ein grosses Holzkruzifix, das auf den Anfang des 16. Jhs. datiet werden kann und 1870 bemalt wurde. Ueber dem Altar des linken Querschiffs befindet sich eines der in dieser Kirche noch erhaltenen Meisterwerke; es handelt sich um ein Temperagemaelde auf Holz von Giovanni Antonio Bazzi, genannt Sodoma, und stellt die Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Sigismund, Rocco, Sebastian und Abt Antonius dar und wird als rundes Werk angesehen. Gegenueber , ueber dem Altades rechten Querschiffs, kann man ein weiteres sehr schoenes Gemaelde auf Holz bewundern: die Grablegung von Gerolamo del Pacchia; das Spaetwerk des Kuenstlers wird auf das Jahr 152o datiert und ist interessant wegen des Gleichgewichts zwischen den Figuren im Vordergrund und der Landschaft im Hintergrund.
Die Kirche Santa Maria delle Nevi (Maria Schnee) wurde in der 2. Haelfte des 17 Jhs. errichtet. Im Inneren an der Linkswand befindet sich ein Basrelief , das die Madonna mit Kind und Engeln darstellt und das als Werk der Sieneser Schule des 15. Jhs. gilt. Das Innere des Tabernakels ueber dem Hauptportal enthaelt ein auf Holz gemaltes Bild der Madonna mit Kind, das Benvenuto di Giovanni zugeschrieben wird.
Die Kirche Santa Croce hat eine viel aeltere Kirche, die sich neben der Burg befand hatte, ersetzt. Sie ist mehreren Umbauten unterzogen worden; die Fassade stammt aus dem 16. Jh., ist sehr sauber und schoen in ihrer Schlichtheit; im Inneren befindet sich ein grosses auf Holz gemaltes Bild von der Hochzeit der Jungfrau, das der Schule Luca Signorellis zugeschrieben wird.
Der Praetorenpalast wurde im Zentrum des antiken befestigten "castrum" errichtet; als Sitz der buergerlichen Autoritaeten wurde es in der 1. Haelfte des 14. Jhs gebaut und im 18. neugestaltet. Die Fassade und der Turm sind aus den typischen toskanischen Ziegeln, besonders interessant sind die zahlreichen Wappen, von denen viele an die verschiedenen Stadtvoegte erinnern, die ihre Aufgaben unter Sieneser Herrschaft ausgefuehrt haben, andere, aus der Zeit nach der Machtueberrnahme durch Florenz, sind Medici -Wappen.
Das Theater ist ein Kleinod des spaeten 18. Jhs. von zarter Machart und mit optimaler Akustik. Es wurde spaeter dem Maestro Ciro Pinsuti (1828-1888), einem Musiker aus Sinalunga, Schueler Rossinis, gewidmet, der lange in London arbeitete und in Italien nie zu dem Ruhm gelangte.
Das Kloster des Heiligen Bernhard entstand auf einem Grundstueck, das die Gemeinde Sinalunga Giovanni da Capistrano geschenkt hatte, und auf dem eine Maria geweihte Kirche stand. Dort wird das Bildnis der Heiligen Maria del Rifugio verehrt, dem von der Ueberlieferung viele Wunder zugeschrieben werden Der architektonische Komplex erscheint etwas heterogen, und zwar aufgrund der in verschiedenen Epochen erfolgten Bauabschnitte und Umbauten. An den Waenden befinden sich viele interessante Gemaelde, wie die Taufe Jesu von Guiduccio Cozzarelli und die Verkuendigung von Benvenuto.

KULTURELLE VERANSTALTUNGEN

Im April gibt es das Fest des "ciambellone", eines typisch toskanischen Gebaecks, das man trocken oder in Wasser gekocht verzehren kann und zu dem man zu Ostern Wein oder Vinsanto trinkt.
In Guazzino wird das Spinnrockenfest mit einer Prozession und einem Karrenrennen gefeiert.
Im Juli wird der toskanische " crostino" gefeiert, im Oktober gibt es einen grossen Markt zu Ehren der Madonna vom Rosenkranz, und am Sankt Martinstag, der Stadtpatron ist, kann man gastronomische Spezialitaeten probieren.


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