TORRITA

TORRITA DI SIENA

Torrita hat sehr alte Urspruenge: es entstand in etruskischer Zeit und stand unter dem Einfluss von Chiusi: Es befand sich im Vergleich zu seiner Umgebung in einer optimalen geographischen Position, zu einem, wegen seiner klimatischen Lage, die im Vergleich zur feuchten-sumpfigen Chiana-Tal recht wohltuend war, zum anderen wegen seine strategischen Lage aufgrund der Kontrolle ueber das gesamte Tal. Sichere Nachrichten ueber Torrita hat man aus dem Mittelalter, besonders aus dem 13. Jh..case2.jpg (23845 byte) Torrita wurde die aeusserste Bastion der Republik Siena gegen Montepulciano und Florenz. Die Stadtstruktur war durch typische Haeuser-Tuerme charakterisiert, und die zahlreichen Tuerme, die diese Festung ausmachen, machten sie zu etwas Besonderem im unteren Chiana-Tal , und deshalb wurde sie Torrita (lat. turris "Turm" it. Torre), genannt. Dieser Name kommt in einem amiatinischen Codex aus dem Jahr 1307 vor und er findet sich auch schon in einer Urkunde des Kaisers Otto IV, die auf den 27. August 1210 datiert ist. Der Mauerguertel der Stadt war mit neun Tuermen quadratischer Basis befestigt (heute finden sich noch Spuren von sieben dieser Tuerme).

torrita.jpg (36433 byte) Darueberhinaus gab es noch Tuerme an den Stadttoren. Die Nachrichten ueber die Stadtmauer sind ausserst zahlreich und beziehen sich auch auf spaetere Erneuereungen, die aber nicht voellig anhand der heutigen Mauerstruktur verifiziert werden koennen. Den weitesten Mauerguertel koennte man in den Beginn des 13. Jhs. datieren, ein neuer Guertel mit der Porta a Gavina wurde von den Sienesern kurz nach dem Jahr 1251 erbaut ; im Jahr 1428 gab es eine vollstaendige Erneuerung, die sich mindestens bis zum Jahr 1464 hinzog. Im Jahr 1528 entschied man, die Innenseite umzustrukturieren, indem man sie mit einem Hauptturm nach einem Entwurf von Baldassarre Peruzzi versah. Es gibt drei alte Stadttore : Porta a Gavina (Richtung Tal ) , Porta a Pago (nach Westen) und Porta a Sole ; im 15. Jh. wurde im westlichen Mauertrakt die Porta Nuova geoeffnet. Die Erbauung von vielen Haeusern unmittelbar hinter der Mauer hat eine deutliche Linie zerstoert, sodass man heute nur noch unregelmaessige Spuren des Werkes der Architekten beobachten kann. Von den Tuermen existieren noch die Stuempfe, waehrend drei Vortueren der drei alten Tore zerstoert worden sind. Eine Handelsstraße durchquerte das mittelalterliche Dorf, das dadurch eine besondere militaerische Bedeutung erhielt und jene Festung mit den vielen Tuermen wurde, woraus sich eben auch sein Name ableitet.case1.jpg (26359 byte)
Aus der reichen Geschichte Torritas kann man eine Episode erwaehnen, die dem Volksmund entnommen ist und die die grosse Treue dieses Stueckchens Erde gegenueber Siena bezeugt: Eine alte Frau wurde an dem Tor, das in Richtung der "Chianen" geht, festgenagelt, weil sie die Herrschenden verhoehnt hatte, indem sie stets "lupa, lupa" (Woelfin, das Symbol fuer Siena) schrie, waehrend man sie zum Zeichen ihrer Unterwerfung dazu bringen wollte, "duca,duca" (Herzog) zu schreien.
Heute scheinen die alten Viertel von Torrita von oben herab die modernen Gebaeude der Ebene zu bewachen, wo das Industriezentrum des Ortes beheimatet ist.

DENKMAELER

Auf dem Hauptplatz des Ortes befindet sich der Palazzo Comunale. Er ist Sitz der oeffentlichen Verwaltung und beheimatet Bueroraeume und diverse Institutionen. Die sehr einfache architektonische Form entstand um 1200, aber sie wurde in den folgenden Jahrhunderten Veraenderungen unterzogen, durch die nicht viel von der alten Stuktur erhalten geblieben ist. Der einzige Turm, er wird Uhrturm genannt (torre dell'orologio), hat einen kuenstlerischen Charakter von einiger Bedeutung bewahrt. Er besteht ganz aus Ziegelsteinen mit verschiedenen Anordnungen der Fenster und Gesimse, die den Charakter der sehr einfachen sienesischen Palazzi aus der Zeit von 1400 bis 1600 ins Gedaechtnis zurueckrufen. Als alten Teil besitzt der Turm nur noch das Grundbauschema, waehrend die anderen Teile im 17 Jh. ungebaut wurden.
Der Palazzo Comunale war das alte Praetorium, wo der Buergermeister und die Beamten der Kommune Siena ihren Sitz hatten: auf der Fassade finden sich Wappen von vielen dieser Personen, einige davon gehen auf das 15. Jh. zurueck. Der Buergermeister war ein von Siena bestellter Magistrat, der sich um zivile und strafrechtliche Belange kuemmerte. Seine Anwesenheit in Torrita kann man bis auf die Zeit vor 1266 zurueckverfolgen. Repetti behauptet, dass die Torriter ihm bei seiner jaehrlichen Ankunft in Uebereinstimmung mit ihren Statuten zwei Paar Huehner, zwei Scheffel Futtergetreide, zwei Scheffel Wein, 16 Brote, ein Bund Stroh und 6 Pfund Kerzen als Geschenk ueberreichten.
Die Kirche der Hl. Flora und Lucilla bildet zusammen mit dem Palazzo Comunale den aeltesten Teil des Platzes. Sie ist eine romanische Kirche in Form eines lateinischen Kreuzes mit nur einem Schiff; sie ist die aelteste innerhalb der Festungs mauern und von groesserer kuenstlerischer Bedeutung. Die Fassade, von beachtenswerter Konstruktion aus Ziegelsteinen, wird von einem ausgesprochen ausgeschmiegten Portal bestimmt, sie ist reich an urspruenglichen Dekorationen aus Backstein und aus behauenem Stein wie auch der Glockenturm, der moeglicherweise aus derselben Zeit stammt. Die Kirche wurde im 14 . Jh. in "kleinen Ausmassen" errichtet, sie schloss aber auch einen Teil einer aelteren, kleineren Kirche ein, wie man den am Tor eingehauenen Dekorationen entnimmt. Die Kirche besitzt wahre Edelsteine pittoresker Kunst. Es befindet sich dort ein Triptychon, das sich auf dem Seitenaltar links befindet und das die Krippe, den Hl. Antonius den Abt und den Hl. Augustin darstellt, Werk von Bartolo di Fredi, eines sienesischen Malers der letzten Jahre des 14. Jhs. Ein anderes Triptychon findet man auf dem Seitenaltar rechts, es zeigt die Kreuzigung Jesu mit der Madonna , dem Hl. Johannes und Magdalena. An den Seiten sieht man den Hl. Bartholomaeus und den Hl. Augustin, auf dem hoeher gelegenen Teil eine kleine Verkuendigung. Das Datum des Gemaeldes ist das Jahr 1444, man kennt jedoch den Maler nicht; anhand des Stiles laesst sich aber sagen, dass er der florentischen Schule angehoeren muss. Des weiteren findet man ein grosses Bild , das die Madonna mit Kind, umgehen von den Aposteln Andreas und Johannes darstellt. Darueber befindet sich eine Luenette mit der Heiligen Dreifaltigkeit und zwei Engeln, ein Werk von Benvenuto di Giovanni. Ein viertes Bild befindet sich in der Wand des Chores und zeigt die Madonna mit dem Sohn , umgeben von Engeln. Unten, auf dem Hintergrund eines gruenenden Landes, finden sich verschiedene Heilige, unter ihnen die Hl. Flora und Lucilla (Schule des Sodoma). Rechts neben der Tuer zur Sakristei befindet sich ein kleines Gemaelde, das das Kind mit zwei Rosen zeigt., im Arm Mariens (Schule des Ambrogio Lorenzetti). Auf der linken Seite befindet sich ein grossartiges Gemaelde auf Leinwand, das die Verkuendigung darstellt, unterschrieben und datiert auf das Jahr 1592 von Vanni selbst.
Die Kirche Santa Croce wurde im Jahr 1642 erbaut : sie hat eine Fassade aus rotem Ton und ein schlicht- elegantes Portal. Das Innere ist Barock: sie hat drei Altaere, einen zentralen und zwei Seitenaltaere. Der grosse Altar zeigt ein ausgezeichnet gearbeitetes Holzkruzifix.Zu den Fuessen des Kreuzes befinden sich die jungfraeuliche Mutter und der Hl. Johannes in aufgerichteter Position, an den Seiten des Altars zwei Engel mit Zeichen der Passion. Der Altar links ist der Madonna von Loreto gewidmet, derjenige rechts heute der Madonna, frueher aber war er dem Hl. Carlo Borromeo gewidmet.
Die Kirche Santissima Annunziata wurde gegen Mitte des 16. Jhs. erbaut; dort konstituirte sich eine Laienbewegung, die "die Schwarzen" wegen der Farbe des Gewandes, das die Brueder trugen, genannt wurde. Auf dem groessten Altar befinden sich Stuckdekorationen, an den Seiten zwei sehr schoene Statuen, auch aus Stuck, die den Koenig David und den Propheten Jesaja darstellen. Der linke Altar, der der Rosenkranzmadonna gewidmet ist, wurde wie die Hoehle von Lourdes gebaut. Unter den Kunstwerken ist ein Gemaelde auf Leinwand zu erwaehnen, das die Madonna mit dem Kind auf den Knien und an den Seiten die Hl: Katharina und den Hl. Domenicus zeigt. Ein anderes Gemaelde auf Leinwand zeigt eine Passionsszene Jesu nach der Geisselung. Verbunden mit der Kirche ist ein Oratorium, das das Baptisterium der Pfarrei war und heute Sitz des Stadtbezirkes Porta Nuova ist.
Die Kirche des Hl. Martin und der Hl. Konstanz ist die groesste von Torrita und die meistbesuchte fuer den Gottesdienst. Sie wurde 1631 erbaut und ersetzte die alte Pfarrei des Friedhofs. 1636 geweiht, wurde sie im Jahr 1648 die Kollegiatskirche. Sie ist gross, lichtreich und regelmaessig gebaut, sie besitzt keine grossen Kunstwerke. Erwaehnenswert ist nur eine Terrakotta aus dem 16. Jh., die den Kopf der Hl. Katharina darstellt. Der Chor ist aus Nussholz. An den Waenden heben sich 14 Keramikformen aus dem 18. jh. ab, die die Stationen des Keuzweges darstellen.
Die Kirche Madonna della Pace (des Friedens) wurde zur Erinnerung an den Friedensschloss des 8. Juni 1552 zwischen Torrita und Siena errichtet. Sie wurde aus rotem Ziegelstein gegen Mitte des 16. Jhs. gebaut. Das Innere besteht aus einem lateinischen Kreuz. der groesste Altar ist im barockem Stil verziert. In den beiden Seiten gibt es Altare, einer ist dem Heiligsten Kruzifix gewidmet, der andere dem Hl. Herculanus. Die Kirche besass ein altes Hauptwerk von Domenico Manetti. Sie wurde mehrmals als Herberge fuer Marschtruppen mit Beschlag belegt, und waehrend des 1. Weltkriegs als Magazin genutzt,. 1944 wurde sie von den Deutschen besetzt, die sie mit Mehlsaecken und beschlagnahmten Korn anfuellten. Im 2. Weltkrieg war sie die am meistzerstoerte Kirche Torritas.
Die Kirche der Madonna delle Nevi (des Schnees) befindet sich ausserhalb der Stadtmauern, sie wurde 1525 erbaut, als eine schwere Pest die innerhalb wohnende Gemeinde heimgesucht hatte. Die Kirche ist mit vielen Freskenbildern geschmueckt, die allgemein Girolamo di Benvenuto zugeschrieben werden.
Die Kirche der Madonna delle Fonti a Giano (der Quellen in Giano), wurde 1665 zur Erinnerung an die zahlreichen Wunder erbaut, die am Bild der Madonna delle Fonti stattgefunden haben, welche ihrerseits unter den Resten einer immerwaehrenden Quelle gefunden wurde, die eben an diesem Ort entspringt. Sie hat die Form eines lateinischen Kreuzes und drei Altaere. In der Mitte des grossten Altars befinden sich zwei vergoldete Stuckstatuen, die die Hl. Konstanz und Bernardin von Siena darstellen.
Die aelteste Kirche Torritas ist die der Madonna dell'Olivo (des Olivenbaums ). Sie wurde vielleicht ueber einem Tempel erbaut, der Ceres geweiht, einer antiken Gottheit der Vegetation und der Fruchtbarkeit der Felder. Jedoch erscheint die Annahme , der Tempel sei erst in roemischer Zeit erbaut worden, der Wahrheit naeherzukommen. Das zeigt die Tatsache, dass er aus quadratischen Steinen erbaut wurde und dass in einigen von ihnen immer noch die Form einer Festung erkennbar ist. Bei den Arbeiten zum Bau einer Treppe wurde im Jahr 1754 ein gut 2.50 m. grosses Skelett gefunden, das einen im Vergleich zum Koerper recht kleinen Schaedel hatte. Anhand einer Inschrift in der Naehe des groessten Altars koennte man an den im Jahr 1290 verstorbenen Francesco Pecorai denken Nach der Erbauung der jetztigen Kollegiatskirche um das Jahr 1631 verfiel die alte Kirche grosser Vernachlaessigung. Sie wurde erneut Ziel von Pilgerfahrten, nachdem das Bild der Madonna dorthin transportiet worden war. Dies ist eine Terrakotta von nicht hohen kuenstlerischen Wert, sie wird aber fuer wundersam gehalten:tatsaechlich schien sich waehrend einer Prozession ploetzlich eine Flamme von diesem Bild anzuzuenden; aus diesem Grund wurde sie aus dem Olivenhain, in dem sie aufgestellt war, fortgenommen und durch den Willen des Volkes und des Klerus in die alte Pfarrei transportiert, dort wiederum als Madonna dell'Olivo verehrt. Die Werke in dieser Kirche sind folgende: eine Terrakotta, die Inschrift, eine Madonna der Schmerzen, der Tote Jesus, verschiedene Votivgaben.
In der Mitte des neuen Residenzbereiches erhebt sich ein grosser Platz mit der Kirche der Madonna del Rosario (Rosenkranzmadonna). In modernem Stil erbaut, enthaelt sie beachtenswerte Kunstwerke: Keramikpaneelen , die vom Meister der Keramikkunst Don Manfredo Coltellini hergestellt wurden.

KULTURELLE VERANSTALTUNGEN

Vor ungefaehr 30 Jahren entstand in Torrita der "Palio der Esel" . Einige Personen beschlossen in Anbetracht der Tatsache, dass kein Fest existierte, das den ganzen Ort einbezog, in einem einzigen, charakteristischen und froehlichen Fest einige von dejenigen Festen, die vor den Toren des Ortes stattfanden, zu vereinigen. Dieses Fest sollte die Reichtuemer der Gemeinde ruehmen, und zwar den der Arbeit und ihre Bestandteile Muehe und Einfachheit. So entschieden sie, dass der Heilige dieses Festes der Hl. Josef sein muesse, weil er der Schuetzherr der Tischler ist ( die meisten Torriter sind Tischler) ; und es war genau er, der auf dem ersten Siegestuch gemalt war. Der erste Palio wurde am 15. Maerz 1966 gelaufen, eben fuer den Hl. Josef, und es nahmen daran nur die vier Tore der Stadt teil. Porta Nuova, Porta a Pago, Porta a Sole e Porta a Gavina. Dieser Palio lief auch anders ab als heute. Die Jockeys auf den Eseln setzten alles aufs Spiel, und es gewann der, dem es ab erstem gelang, eine Mauer, die auf einem grossen Paneel auf Papier aufgezeichnet war, durchzubrechen. In diesem Palio existierten die Komparsen noch nicht. Das Dorf war nur mit kleinen Spruchbaendern in verschiedenen Farben geschmueckt, und der Siegespreis war eine einfache bemalte Fahne. Spaeter wurde die Zahl der Teilnehmer vergroessert, indem auch die Bereiche ausserhalb der alten Stadtmauern einbezogen wurden bis hin zu den heutigen acht Kontraden :Refenero, Le Fonti, Cavone, La Stazione und die vier alten.Von dem Jahr an gab es die ersten Komparsen (Personen in historischen Kostuemen), wenn auch nur sehr einfach. Um zu gewinnen, musste man nicht mehr eine Mauer aus Papier durchbrechen, sondern man musste auf der Bahn laufen, die fuer "das Spiel" gemacht worden war und die dann eingezaeunt wurde. In den folgenden Jahren entschied das Komitee in Anbetracht der Tatsache, dass das Interesse der Kontradenbewohner an dem Fest wuchs und dass auch viele Leute aus anderen Orten nach Torrita kamen, Tribuenen zu erbauen. Die Komparsen wurden Jahr fuer Jahr schoener ausgestattet, indem man sich mehr um das Detail der historischen Kostueme kuemmerte, und es wurde auch ihre Zahl erhoeht. Ausserdem fuegte man pro Kontrade zwei Fahnenschwenker und zwei Trommler dem Umzug bei, der schon aus Pagen, der Dame der Kontrade und dem Bannentraeger bestand. In den folgenden Jahren kamen noch die Komparsen des Fuersten und des Gelebten hinzu, bis schliesslich die Gestalt des heutigen Umzuges entstand. Das Tuch, Symbol des Sieges, und deshalb von jeder Kontrade heiss begehrt, wird seit 1972 von beruehmten Malern bemalt.


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